Kaffeeplantage La Cascada (Guatemala)

Am 07. März 2010 war es wieder einmal soweit. Mit neun weiteren Kaffeeröstern der Deutschen Röstergilde brach ich aus dem kalten Deutschland nach Guatemala auf.

Eine Station der Reise sollte der Besuch bei unserem Ehrenmitglied Horst Spitzke, auch bekannt als Don Horst sein. Er betreibt seit über 20 Jahren eine Plantage bei San Cristóbal Verapaz nördlich der Hauptstadt Guatemala Stadt. Ursprünglich kommt Don Horst aus Hamburg, lebt allerdings bereits seit den 60er Jahren in Zentralamerika.

Auf der vierstündigen Busfahrt von Guatemala City Richtung Cobán konnten wir die Veränderung der Natur zu einer üppig bewachsenen Region beobachten. Nach einem kleinen Mittagessen ging es gleich auf zu Don Horst, wo wir von der ganzen Familie herzlich empfangen wurden.

Horst Spitzke führte uns über sein Beneficio. Dort werden die geernteten Kaffeekirschen verarbeitet. Wir sorgten natürlich gleich für Aufmerksamkeit bei den Pflückerinnen und Pflückern, die gerade von der Ernte zurückkamen und sich an einer Wasserquelle wuschen.

 

 

Der deutsche Auswanderer ist Wissenschaftler und Ingenieur zugleich. Seine ganze Leidenschaft gilt seiner Kaffeeplantage. Er ist ständig dabei neue Möglichkeiten zu finden, die Kultivierung seines Kaffees zu verbessern. Dem passionierten Tüftler gelingt es durch spektakuläre Innovationen, wie z.B. seine berühmte Wasseraufbereitungsanlage, die Qualität seiner Kaffees stetig zu verbessern und naturnah zu arbeiten. Ein von Spitzke ausgetüfteltes System, das mit weniger als der Hälfte der sonst benötigten 150l Wasser pro Kilo Kaffee auskommt, trennt zunächst die guten von den schlechten, d.h. die unreifen von den reifen, roten Kaffeekirschen. Der Entpulper befreit dann die Bohnen größtenteils von Kirschhaut und Fruchtfleisch, die Reste werden von seiner Regenwurmzucht zu bester Komposterde aufbereitet.


Nach der natürlichen Fermentation in großen Becken, bis zu 36 Stunden, wird der Kaffee getrocknet. Neben der maschinellen Trocknung in großen Öfen, wird der Kaffee auch in der Sonne und in speziell angefertigten Gewächshäusern getrocknet. Das für die nasse Aufbereitung verwendete Wasser wird anschließend in einem höchst aufwendigen Verfahren wieder gereinigt und in einem eigenen See gestaut, der einer Vielfalt von Fischen einen Lebensraum bietet.

 

 

Horst Spitzke kümmert sich nicht nur mit viel Liebe und Leidenschaft um seine Kaffeekirschen, er kennt auch jeden seiner Mitarbeiter mit Namen und pflegt ein gutes Verhältnis zu Ihnen. Er beschäftigt über hundert Menschen. Jede Saison kommen sie wieder zu ihm zurück und selbst auf der Weihnachtsfeier fehlt Horst Spitzke nicht. Er sorgt für ein sicheres Einkommen, für Verpflegung, Schulbildung der Kinder und gesundheitliche Versorgung.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit Jeeps von seiner Finca auf die Plantage, um die Ernte zu beobachten.
Bei den Kaffeepflanzen angekommen strömten wir sofort in alle Richtungen aus, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Der ein oder andere von uns, mich eingeschlossen, fing an zu träumen auch selbst einmal so eine Plantage zu betreiben.

Die nächste Station führte uns zu einem atemberaubenden Wasserfall, der auch der Namensgeber für den La Cascada Estate ist, der in Deutschland exklusiv nur von den Mitgliedern der Deutschen Röstergilde zu Röstkaffee veredelt und vertrieben wird. Der Wasserfall schlängelt sich mehrere Hundert Meter den Berg hinunter. Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von der Familie Spitzke.

Don Horst wurde als Ehrenmitglied der Deutschen Röstergilde aufgenommen und seine Frau bekam eine seltene Orchidee übereicht.

 

 

Text & Fotos H. Rehorik

 

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